Publikationen zur Blastozystenkultur - Meine Kritik
Blastozystentransfer verbessert die Schwangerschaftsrate nicht": Human Reproduction, Vol. 18, No. 10, 2145-2150, October 2003
Sehr geehrte Frau ....!
Vielen Dank für Ihr Email. Ich kenne die Arbeit der Gruppe von Brüssel und kann dazu folgendes sagen:
Die Kollegen an dieser Klinik haben von Beginn an die Blastozystenkultur nicht forciert, aus welchen Gründen auch immer.
Unsere Erfahrungen sind gravierend abweichend von jenen der Gruppe in Brüssel.
Es ist auffallend, dass bei einem Transfer am Tag 2 bei dieser Gruppe eine Schwangerschaftsrate von 44,1% (Geburt!) berichtet wird. Ich glaube diese Zahlen ganz einfach nicht, da ja auch in Deutschland Schwangerschaftsraten nach Transfer am Tag 2 und 3 von nur 25% erzielt werden.
Diese Zahlen in Deutschland sind nachvollziehbar. Die Reproduktionsmediziner in Deutschland sind sicher nicht so viel schlechter, wie jene in Brüssel!
Es ist hier auch anzumerken, dass die offiziellen Berichte der Statistik der belgischen Gruppen folgendermaßen aussehen:
Die beste Gruppe in Belgien berichtete im Jahr 2001 von positiven Schwangerschaftstests (nicht Geburt, sondern lediglich positiver Schwangerschaftstest von 31%! Offensichtlich wurde in dieser Studie eine nicht repräsentative Patientengruppe gewählt!
Weiters ist anzumerken, dass diese Gruppe mit sequentiellen Medien arbeitet, die im Haus selbst hergestellt werden! Wenn man bedenkt, dass die besten derzeit am Markt erhältlichen sequentiellen Medien und auch jene zur Samenpräparation und zur Reinigung der Eizellen (sogenannte Hyaluronidase-Reinigung), sowie die Öl-Überschichtung unter großem Aufwand der Firmen und unter Qualitätskontrollen, wie diese bei der Produktion pharmazeutischer Produkte vorgeschrieben sind, hergestellt werden, so ist aus meiner Sicht absolut erklärbar, warum diese Kollegen in Brüssel die Blastozystenkultur nicht unter optimalen Bedingungen durchführen.
Nicht nur wir, sondern auch andere Gruppen weltweit, vor allem aber auch die Gruppe um Gardner hat beste Erfahrungen mit der Blastozystenkultur!
Seit wir diese Techniken einsetzen, ist es geradezu eine Freue, Reproduktionsmedizin zu betreiben, da die Schwangerschaftsraten tatsächlich sehr hoch sind (siehe auch Artikel von Prof. Michelmann: „Der programmierte Misserfolg“: www.ivf.at - Für Paare – Blastozystentransfer – Der programmierte Misserfolg).
Ich finde das ganze Herumgerede um diese Erfolgsraten nach Blastozystenkultur äußerst seltsam. Logische Überlegungen, welche eigentlich alle unsere Patienten nachvollziehen können, sprechen doch ganz klar für die Auswahl jener Embryonen, welche eben bewiesen haben, dass sie sich nicht nur zur Blastozyste, sondern in der weiteren Folge natürlich auch zum Kind entwickeln können!
Ich hoffe, Ihnen damit gedient zu haben und bin gerne bereit, bei einem persönlichen Gespräch weitere Details zu besprechen.
Mit freundlichen Grüßen
Univ. Prof. Dr. H. Zech