Journalistin:
HERBERT ZECH, Leiter des Instituts für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie in Bregenz und Präsident der österreischichen Gesellschaft für (Dr. Herbert Zech) Reproduktionsmedizin und Endokrinologie
Erfolgsrate
Herbert Zech nennt die Erfolgsrate von54% „positiver Herzaktion zwei Wochen nach dem Schwangerschaftstest – das ist in der sechsten bis siebten Schwangerschaftswoche“, und zwar bei Frauen bis zu 40 Jahren in seinem Zentrum in Bregenz. Ab dem Alter von 40 Jahren sei der Erfolg hingegen abnehmend.
Zech, der insgesamt vier IVF-Zentren in Bregenz, in der Schweiz, in Pilsen und Meran leitet, erklärt diese - in Österreich äußerst hohe - Erfolgsrate im Bregenzer Zentrum dadurch, dass sein Team sich dort seit fünf Jahren auf Blastozysten-Transfers spezialisiert.
Thema - Blastozysten-Transfer
Diese Technik beruht auf vier bis sechs Tage dauernden in-vitro-Kultur der Embryos. Diese nehmen dann nach vielen Zellteilungen die Form einer brombeerähnlichen Hohlkugel ein, eine Blastozyste. Nur 30 bis 40 Prozent der Embryonen zwischen Tag Zwei und Drei erreichen das Blastozysten-Stadium. Die Kultivierung von Embryonen bis zum Blastozystentadium gilt in Deutschland, Italien und der Schweiz als ethisch anstößige „Selektion“ und ist verboten, „obwohl die Natur das Gleiche macht“, sagt Zech. In diesen Ländern ist nur eine Kultur von maximal drei Embryonen pro Zyklus gestattet – die Erfolgsrate liegt bei etwa 25 Prozent. Zech hingegen schickt das Doppelte und Dreifache an Embryonen ins Rennen: Sieger sind jene Embryonen, die sich zur Blastozyste entwickeln.
Der Blastozystentransfer ermögliche höhere Schwangerschafsraten, weil die Qualität und Überlebenschancen von Blastozysten besser feststellbar seien als die von Vier- bis Achtzell-Embryonen.
Zech:
„Wir haben somit die Möglichkeit, den Embryo zu beobachten und zu erkennen, ob er sich tatsächlich zu einem Kind entwickeln kann. Ob die Zellen sich richtig teilen, ob der Embryo das humane Genom richtig aktiviert, können wir am Blastozysten besser beobachten. Was nicht überlebensfähig ist, setzen wir nicht ein. Das ist aber keine Selektion. Denn das Maximale, was wir selektionieren, ist das, was die Natur von selbst selektioniert hat.“
Journalistin:
Zech transferiert „maximal zwei Blastozysten“ und der Erfolg sei fast doppelt so hoch wie beim Transfer von Embryonen schon am dritten Tag. Er vergleicht Erfolgsraten: „In der Schweiz und in Italien, wo der Blastozysten-Transfer nicht erlaubt ist, erreichen wir bei gleicher Vorgangsweise und der gleichen Hormonstimulierung an unseren Kliniken nur an die 30 Prozent Schwangerschaften. Und in Pilsen, wo der Blastozysten-Transfer erlaubt ist, sind es mit fast 50 Prozent fast so viele wie in Bregenz.“
Zech begann die IVF in seiner Klinik in Bregenz 1984 und hatte damals 150 bis 200 Patientinnen. 2004 behandelte er in Bregenz 1800 Patienten und Patientinnen „und der Bedarf nimmt zu.“ Ein Großteil der Patientinnen käme aus Deutschland, aus der Schweiz und aus Italien, wo der Blastozysten-Transfer verboten ist – Zech: „Wir werden von Anfragen regelrecht überschwemmt.“
Thema - Mehrlingsschwangerschaften
Zech:
„... sollten vermieden werden: Wir haben das Ziel, dem Paar zu einem Kind zu verhelfen, aber es sollten maximal zwei Blastozysten transferiert werden. Denn wenn man drei Blastozysten tranferieren würde, wäre das Risko einer Zwillingsschwangerschaft cirka 40 Prozent und einer Drillingsschwangerschaft cirka vier Prozent – ein Risiko, das in den USA durchaus eingegangen wird.“
Journalistin:
Die Folgen vom Mehrlingsschwangerschaften seien mitunter dramatisch, denn die Föten können sich gegenseitig behindern in ihrer Entwicklung: Früh- und Fehlgeburten seien nicht ungewöhnlich, sagt Zech: „Daher transferieren wir maximal zwei Blastozysten und minimieren somit das Risiko auf 20 bis 25 Prozent von Zwillingen, Drillinge sind damit ausgeschlossen.“
Thema - Sterilitität
Journalistin:
Die Sterilitätsrate misst Zech in seinen Zentren bei Männern und Frauen gleich: 50:50, wobei Zech bestätigt, dass Sterilität und Unfruchtbarkeit insgesamt zunehmen. Allerdings könne er diese Wahrnehmung nicht beziffern. Als Gründe nennt er, einerseits „Umwelteinflüsse und -schäden“, und andererseits die Tatsache, dass „die Leute immer später Kinder kriegen: Je mehr Umwelteinflüsse, je mehr Krankheiten der Körper im Leben zu spüren bekommen hat, desto größer die Gefahr, steril zu werden. Zudem nimmt die Ei- und Samenzellenqualität mit zunehmdenem Alter ab.“